Schritte zur Auswahl einer Wärmebildkamera, Anforderungstabelle nach Berufen gegliedert
Thermografische Geräte (Infrarotkameras mit thermometrischen Fähigkeiten), die für berührungslose Temperaturmessungen geeignet sind, haben in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Wenn wir bedenken, dass diese Geräte vor gerade einmal 50 Jahren auf den Markt kamen, heute jedoch zu einem der bekanntesten und vielseitigsten Prüfgeräte herangewachsen sind, sollten wir uns nicht über die Vielfalt des Angebots (Hersteller, Typen) wundern. Für einen Kunden, der den Kauf einer Wärmebildkamera plant, ist es daher nicht mehr der Mangel an Typen, die seinen Anforderungen entsprechen, sondern die Unübersichtlichkeit des riesigen Angebots, die ein Problem darstellt. Daher ist es an der Zeit, die Entwicklung und Typen dieser Geräte fachlich zu überblicken und ihr aktuelles Angebot anhand einiger wichtiger technischer Parameter zu ordnen. Denn: Die in den Kameras implementierte Messtechnologie und das verfügbare Zubehör bestimmen den Anwendungsbereich des Geräts sowie die zu erwartende Messgenauigkeit und die Qualität des Wärmebildes.
Schritte zur Auswahl einer Wärmebildkamera Schritt für Schritt
Die Reihenfolge der Auswahlkriterien für eine Wärmebildkamera, die den konkreten thermografischen Messanforderungen entspricht, basierend auf dem aktuellen Angebot an Wärmebildkameras, ist wie folgt:
0) stationär oder mobil?
Nicht geeignet für stationäre Wärmebildkamera: - für Handmessungen, da sie weder über einen Akku noch über Bedienelemente oder ein eigenes Display verfügt (das ständige Mitführen eines Notebooks ist in keiner Weise praktisch) Nicht geeignet für tragbare Wärmebildkamera: - für stationäre Aufgaben, bei denen Kühlung/Heizung, Feuchtigkeits- und Staubschutz der Wärmebildkamera erforderlich sind, da solche Schutzhüllen typischerweise nur für stationäre Typen erhältlich sind
1) Wellenlängenbereich
Nicht geeignet für den langwelligen Bereich: - nur für die Messung von Objekten mit hohem Emissionsfaktor im mittelwelligen Bereich - wenn sich zwischen dem Objekt und der Wärmebildkamera Glas (oder ein anderes Material, das lange Wellen nicht durchlässt) befindet Nicht geeignet für den mittelwelligen Bereich: - bei Messungen von niedrig temperierten Objekten - bei Messungen aus großen (mehr als 10 m Entfernung) - nur für Objekte mit akzeptabler Emission im langwelligen Bereich - bei Materialien mit mittleren Wellenlängen, die keine Durchlässigkeit für lange Wellen aufweisen
2) Detektortechnologie Kriterien: Wellenlänge, Bildwiederholfrequenz - Verwendung von Bolometern/Mikrobolometern, wenn: - ein Gerät im langwelligen Bereich benötigt wird und - eine Bildwiederholfrequenz von max. 50/120 Hz (bzw. bei speziellen Wärmebildkameras max. 240 Hz) ausreicht (Hinweis: Bei freihändiger Verwendung einer Wärmebildkamera ist zur Vermeidung von Bewegungsproblemen eine minimale Bildwiederholfrequenz von 50 Hz erforderlich) - Verwendung von Fotodetektoren, wenn: - Messungen im mittelwelligen Bereich erforderlich sind (z.B. durch Glas hindurch) oder - eine Bildwiederholfrequenz von über 50/120 Hz (bzw. in Ausnahmefällen 240 Hz) benötigt wird (Hinweis: Fotodetektoren sind wesentlich teurer als Bolometer und erfordern zusätzlich eine Kühlung, die je nach Technologie auch eine Lebensdauerbegrenzung darstellt.)
3) Thermische Auflösung je nach Aufgabe abzuwägen - bei der Überwachung von Kesseln und Öfen, Zustandsüberwachung von Maschinen oder elektrischen Anlagen nicht kritisch, da Fehlerstellen/thermische Phänomene mit großen Temperaturunterschieden einhergehen - bei der Suche nach Feuchtigkeit/Lecks; wichtig bei der Bewertung von Isolierungen, feuerfesten Auskleidungen (Abnutzung) - bei biologischen oder Materialuntersuchungen ist dieser Parameter in der Regel am wichtigsten (Hinweis: Mit der Verbesserung der thermischen Auflösung erhalten wir ein schärferes, klareres und erkennbareres Wärmebild.)
4) Temperaturmessbereich je nach Aufgabe abzuwägen - besonders wichtig bei der Messung von niedrigen Temperaturen
5) Anzahl der Bildpunkte - absolutes Minimum: 160 x 120 Bildpunkte (mit weniger Pixeln ist eine effektive Arbeit kaum möglich) - empfohlenes Minimum: 256 x 256 oder 320 x 240 Bildpunkte - wirtschaftlich: 384 x 288 Bildpunkte - professionell: 640 x 480 oder 640 x 512 Bildpunkte - aktuell: 1024 x 768 Bildpunkte - vorteilhafte Lösung: Vervierfachung der Bildpunkte mit Microscan (bis zu 1280 x 960 oder 2048 x 1536 Bildpunkte) (kann mit und ohne Stativ verwendet werden; keine interpolierten Berechnungen, sondern echte Messpunkte) (Hinweis: Je mehr Bildpunkte die Kamera hat, desto mehr Details werden im Bild erkennbar oder desto größere Objekte (Geräte) können bei angemessener (bewertbarer) Auflösung gleichzeitig untersucht werden.)
6) Geometrische Auflösung - je nach Aufgabe abzuwägen - bei verschiedenen Aufgaben sollte idealerweise eine Wärmebildkamera mit austauschbarem Objektiv gewählt werden, um stets über die passende geometrische Auflösung zu verfügen - vorteilhafte Lösung ohne austauschbares Objektiv: Vervierfachung der Bildpunkte mit Microscan-Verfahren, wodurch die geometrische Auflösung auf 2/3 des für dasselbe Detektor-/Optik-Setup spezifizierten Werts verbessert wird
7) Spezielle Fähigkeiten - schnelle interne Speicherung von Wärmeserien ohne PC - Fernsteuerung, Live-Datenübertragung - Wechselobjektive, spezielle Filter
Auswahlkriterien für thermografische Geräte
| Fachgebiet | Spektralbereich | Technologie | Kalibrierbereich | Pixelpunkte Anzahl | Geometrische Auflösung | Temperaturauflösung | Bildaufnahmefrequenz | Empfohlene Funktionen/Zubehör |
| Gebäudethermografie | 8…12 µm | Bolometer (Photonendetektor auch gut, aber teuer) |
min. -20°C … 100°C besser ab -40°C (obere Grenze ungefähr) |
min. 320×240 besser 384×288 empfohlen 640×480 Spitze 1024×768 |
min. 1,5 mrad besser 1 mrad + Teleobjektiv |
min. 80 mK besser 50 mK beste 30 mK (30mK: mehrere Tage messbar = bessere Rückkehr) |
manuelle Aufnahme: min. 50 Hz |
– wählbare Farbskala – Autofokus – Teleobjektiv – Weitwinkelobjektiv |
| Messung elektrischer Anlagen | 8…12 µm | Bolometer (Photonendetektor auch gut, aber teuer) |
min. -0°C … 150°C besser -20°C … 250°C |
min. 160×120 besser 320×240 empfohlen 384×288 oder 640×480 Spitze 1024×768 |
min 2 mrad besser 1,5 mrad beste 1 mrad |
min. 120 mK besser 80 mK beste 50 mK |
manuelle Aufnahme: min. 50 Hz |
– wählbare Farbskala – Autofokus – Digitalkamera – Kompositbildgebung – Digitale Tonaufzeichnung |
| Messung von Maschinenausrüstungen | 8…12 µm | Bolometer (Photonendetektor für bewegliche Objekte, schnelle Prozesse) |
min. -20°C … 250°C besser -40°C … 400°C |
min. 160×120 besser 320×240 empfohlen 384×288 oder 640×480 Spitze 1024×768 |
min 2 mrad besser 1,5 mrad |
min. 120 mK besser 80 mK beste 50 mK |
manuelle Aufnahme: min. 50 Hzbewegliche Objekte: >>50 Hz |
– wählbare Farbskala – Autofokus – Serienaufnahme – Differenzaufnahme – Digitalkamera – Kompositbildgebung – Digitale Tonaufzeichnung |
| Medizinische (biologische) Messungen | 8…12 µm | Bolometer (Photonendetektor auch gut, aber teuer) |
min. -20°C … 50°C besser ab -40°C (obere Grenze ungefähr) |
min. 320×240 besser 384×288 empfohlen 640×480 Spitze 1024×768 |
min. 1,5 mrad besser 1 mrad |
min. 50 mK besser 30 mK beste 10 mK |
manuelle Aufnahme: min. 50 Hz |
– wählbare Farbskala – Autofokus – Serienaufnahme – Differenzaufnahme – hohe Bildhomogenität – Kompositbildgebung |
| Messungen im Zusammenhang mit Glas | 3…5 µm (8…12 µm nur für Glasoberflächen) |
Photonendetektor | min. 100°C … 1200°C besser 0 … 2000°C |
min. 320×256 empfohlen 640×512 Spitze 1280×1024 |
min 2 mrad besser 1,5 mrad |
min. 120 mK besser 80 mK |
prozessabhängig (typisch >>50Hz) |
– wählbare Farbskala – Autofokus – Serienaufnahme – Differenzaufnahme – spezielle Filter – Makroobjektive – Mikroskopobjektive – Schutzfenster |
| Mikroelektronikmessungen | 8…12 µm (3…5 µm auch gut, aber teuer) |
Bolometer (Photonendetektor für schnelle thermische Prozesse) |
min. -0°C … 150°C besser -20°C … 250°C |
min. 320×240 besser 384×288 empfohlen 640×480 Spitze 1024×768 |
min. 1,5 mrad empfohlen 1 mrad besser 0,7 mrad + spezielle Linsen |
120 mK besser 80 mK beste 50 mK |
> 2 x Prozessfrequenz (min. 50 Hz) |
– wählbare Farbskala – Autofokus – Serienaufnahme – Differenzaufnahme – Makroobjektive – Mikroskopobjektive – Pixelweise Emissionskorrektur – schnelle Wärmebildaufnahme |
| Messungen in der Metallurgie | 8…12 µm oder 3…5 µm |
Bolometer oder Photonendetektor |
min. 300°C … 1200°C besser 0 … 2000°C |
min 160×120 besser 320×240 empfohlen 384×288 oder 640×480 Spitze 1024×768 |
min 2 mrad besser 1,5 mrad |
120 mK besser 80 mK |
manuelle Aufnahme: <span style=”font-size: |